Kaltes Wasser macht richtig Druck

Zwei Geschäftsfelder – eine Lösung. Gemeinsam entwickelten thyssenkrupp Materials Services und die Uhde High Pressure Technologies einen Standard für die Schneidetechnologie mit einem Hochdruckwasserstrahl.

Diesem Wasserstrahl hält kein Material stand. Obwohl er nur 0,25 Millimeter dünn ist. 6000 bar knallen auf die Oberfläche des Metalls. Schnitt. Der Strahl trennt das 25 Zentimeter dicke Aluminium, als wäre es Schaumstoff.

Die Anlage ist ein riesiger Zugewinn für das Geschäft von Rob Faraci. Er leitet den Betrieb der Copper & Brass Sales Division von thyssenkrupp Materials North America in South Bend, Indiana. Von Indiana aus liefert das Werk Teile an die Auto-, Flug- und Öl-Industrie sowie für die Medizintechnik. „Früher haben wir Kontursägen benutzt, um verschiedene Formen aus Aluminium, Kupfer und Edelstahl zu schneiden“, sagt Faraci. „Heutzutage arbeitet der Waterjet sehr viel präziser und effizienter und produziert weniger Materialverlust.“

Expertisen erschließen

In Faracis Betrieb steht eine von zwei neuen Waterjet-Schneideanlagen, die in Zusammenarbeit zwischen Copper & Brass und Uhde High Pressure Technologies, dem konzerneigenen Spezialisten für Hochdrucktechnik, entstanden sind. Ein spartenübergreifendes Projekt, das noch vor gut einem Jahr niemand für möglich gehalten hätte. „Unsere Kompetenzen sind im Konzern leider nicht umfassend bekannt“, sagt Andreas Bröcker, CEO Uhde High Pressure Technologies. „Der Kontakt für dieses Projekt kam zustande, weil wir Hochdruckpumpen herstellen. Dass wir sogar ganze Anlagen für die Wasserstrahl-Technologie bauen können, sorgte für positive Überraschung.“

Und führte zu einem internationalen thyssenkrupp Standard. Thomas Materna, der den Fachbereich Technik bei thyssenkrupp Materials Services in Mülheim leitet, war auf der Suche nach einer Technologie für schnelles, flexibles Zuschneiden unterschiedlicher Materialien. „Wir haben erkannt,dass sich unsere Chancen auf dem Markt erhöhen, wenn wir ziemlich genau zugeschnittene Teile liefern statt, wie bisher, nur grob geformte Rohmaterialien“, sagt er. „Mit Teilen, die ihrer finalen Form schon sehr nahe sind, können wir auch mehr Umsatz machen.“

Der Waterjet arbeitet präziser und effizienter.

Rob Faraci, Werksleiter Copper & Brass Sales Division, Materials North America in South Bend, Indiana

Kompetenz aufbauen

Die Schneidetechnologie mit einem Hochdruckwasserstrahl stellte sich schnell als ideale Lösung dar. „Sie hat den traditionellen Techniken wie Sägen, Fräsen und Bohren gegenüber erhebliche Vorteile“, sagt Materna. „Wir können mit hoher Präzision selbst Formen in 3D schneller herausschneiden.“ Denn der Winkel des Strahls lässt sich für schräge Kanten variieren. Und anders als beim Schneiden mit Laser wird das Material auch nicht durch Hitze beeinträchtigt. Die Expertise fand Materna unerwartet im eigenen Konzern. Gemeinsam haben die Projektpartner mit viel Energie und Überzeugungsarbeit über mehrere Grenzen hinweg die Waterjet-Kompetenz von thyssenkrupp aufgebaut. „Entstanden ist eine technisch führende Anlage mit zwei Schneideköpfen, die unabhängig voneinander schneiden können und von je zwei Pumpen versorgt werden. Aufgrund ähnlicher Anforderungen und Materialien kann sie weltweit eingesetzt werden“, sagt Andreas Bröcker. Dazu wurde ein Servicenetzwerk und eine gesicherte Ersatzteilversorgung aufgebaut. „Der Standard, der als interne Benchmark dient, ermöglicht es thyssenkrupp nun, international mit einer neuen Kompetenz auf dem Markt aufzutreten, neue Kunden anzusprechen und Zusatzgeschäfte zu generieren.“

Für Rob Faraci ist dies bereits Realität: „Wir bekommen erste sogenannte Mehrwert-Aufträge.“ Denn mit der Waterjet-Anlage können sie spezielle, oft sehr komplexe Formen nach den Zeichnungen der Kunden zuschneiden. „Solche Zuschnitte konnten wir vorher nicht übernehmen, sie waren einfach zu aufwändig.“ Jetzt liefern sie Materialien, die schon sehr nahe an den fertigen Produkten sind. Auch James Baber, verantwortlich für Spezialprojekte bei Copper & Brass, ist sehr zufrieden mit dem sehr profitablen, neuen Geschäftsfeld: „Den Kunden nehmen wir damit einen zusätzlichen Zwischenschritt ab. Sie sparen Zeit und Kosten und wir erweitern unser Leistungsangebot.“

Heutzutage arbeitet der Waterjet sehr viel präziser und effizienter, so produziert er weniger Materialverlust

Der Strahl ist in der Lage das 25 Zentimeter dicke Aluminium zu trennen, als wäre es Schaumstoff

In Rob Faracis Betrieb steht eine von zwei neuen Waterjet-Schneideanlagen

Die zwei Schneideköpfe können unabhängig voneinander schneiden und werden von je zwei Pumpen versorgt